„Ich will mich ja einbringen und nicht nur meine Zeit absitzen.“

Einen ganzen Vormittag stellten die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen ihr kurz vor den Sommerferien geleistetes Betriebspraktikum vor. Zwei Wochen lang engagierten sich die Jugendlichen in ganz unterschiedlichen Betrieben, Büros und Einsatzstellen. Nun hatten sie Gelegenheit, ihre Erfahrungen und Tipps an jüngere Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen weiterzugeben.

„Ich weiß noch gar nicht, wo ich nächsten Sommer mein Praktikum absolvieren soll“, meint etwa Anne. „Aber heute habe ich gehört, dass es wirklich interessant sein könnte, wenn ich mich bei der Staatsanwaltschaft in Koblenz bewerbe. Auf die Idee wäre ich alleine gar nicht gekommen.“ Im Gespräch mit einem ehemaligen Praktikanten erfuhr sie, wie vielseitig die zwei Wochen für ihn gestaltet waren und dass er Einblicke in ganz unterschiedliche Arbeitsbereiche gewinnen konnte. „Er hatte die ganze Zeit einen Ansprechpartner und er hat wirklich begeistert erzählt.“ Daher lässt Anne sich gleich die Kontaktdaten für ihre eigene Bewerbung geben.

„Es ist sehr hilfreich, dass wir uns untereinander informieren und austauschen können, welche Möglichkeiten es gibt, ein Praktikum zu machen“, fasst auch ein anderer 9. Klässler seine gewonnenen Eindrücke zusammen. „Ich dachte erst, dass ich mein Praktikum auf jeden Fall in einem Büro machen will, aber jetzt habe ich gelernt, dass es vor allem darauf ankommt, ob ich auch eigenständig kleine Aufgaben übernehmen kann und ob es einen Verantwortlichen gibt, der mir Rückmeldung gibt. Ich will mich ja einbringen und nicht nur meine Zeit absitzen.“

Die Präsentation in der Mensa des Schulzentrums zeigte eine bunte Palette an verschiedenen Praktikumsmöglichkeiten. Im Vorfeld kümmerten sich die Jugendlichen selbständig um ihre Einsatzstellen. Im Unterricht lernten sie Bewerbungsschreiben und Lebensläufe zu verfassen, bereiteten sich auf eventuelle Interviews vor. Manchmal reichte schon ein Telefonat, andere verschickten mehrere Bewerbungen. „Das Praktikum ist eine gute Möglichkeit, eigene Interessen zu verfolgen, auch wenn es noch nicht direkt mit dem späteren Beruf zusammenhängt“, meint etwa Moritz, der in Koblenz viel über Videomitschnitte und Internetauftritte lernte. „Und ich habe sogar das Angebot bekommen, in meiner Freizeit dort zu arbeiten“, freut sich Ira, die Einblicke in den Ablauf eines Gastronomiebetriebs gewann.

Die Betriebe und Institutionen in der Region zeigen sich in der Regel sehr an den jungen Gymnasiasten interessiert und nehmen die Chance wahr, den jungen Menschen Einblicke in das Arbeitsleben zu vermitteln. Aber auch die Jugendlichen machen oft positive Erfahrungen: „Besonders imponiert hat mir, dass alle sich wirklich Zeit für mich genommen haben und mich ermuntert haben, Fragen zu stellen. Ich war im Team eingebunden und konnte auf Augenhöhe mitarbeiten“, erzählt Jonas. Sein Praktikum hat ihn in dem Wunsch bestärkt, später als Arzt zu arbeiten.

Bei so viel Engagement und Begeisterung liegt es auf der Hand, dass es der Jury schwerfiel, vier Jugendliche auszuwählen, deren Präsentationen besonders gelungen waren. Ausschlaggebend war dann auch neben den visuellen Ergebnissen, wie einer gelungenen Power-Point-Präsentation, die Sachkenntnis und die Motivation, die in die Schilderungen mit einflossen. Ausgezeichnet wurden schließlich für solche besonderes gelungene Präsentationen Tessa Page (10a), Mia Ulmen, Max Kriegel (beide 10b) und Moritz Kirchrath (10c).

„Es ist so wichtig, dass die jungen Erwachsenen ihr Praktikum als bereichernd und bestärkend erfahren“, fasst auch Frau Bals den gelungenen Vormittag zusammen. „Wenn alle Beteiligten anschließend gerne auf diese Zeit zurückblicken, ist das natürlich besonders schön. An unserer Schule begleiten wir daher die Schülerinnen und Schüler vor, während und nach dem Praktikum – das lohnt sich, denn unsere Gesellschaft lebt ja von Engagement, Vertrauen und guter Zusammenarbeit.“

Christiane Bals, BvSG